Familiensonntag 2017

Arbeitshilfen 271

»Für immer zusammen -
Auf dem Weg zur sakramentalen Ehe«

Arbeitshilfen 296

am 31. Dezember
(Fest der Heiligen Familie)

Bischof Dr. Heiner Koch

»Es ist so wichtig, dass der Heilige Vater mit uns von dieser Synode aus das Evangelium vom Geheimnis der Ehe mit einer neuen Hermeneutik, in einer neuen Sprache, in einer Sprache der Fülle, des Segens, des reichen Lebens provozierend und einladend für die Menschen aussendet.«
 

Erzbischof Dr. Heiner Koch am 5. Oktober ­­­­­2015 auf der Bischofssynode in Rom

 

Ehe und Familie – Liebe miteinander leben

Für immer zusammen –
auf dem Weg zur sakramentalen Ehe

„Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird, ist auch die Freude der Kirche.“ Mit diesen programmatischen Worten beginnt Papst Franziskus das umfangreiche Nachsynodale Apostolische Schreiben Amoris Laetitia, das als Ergebnis des Prozesses der beiden Bischofssynoden in den Jahren 2014 und 2015 gelten kann. In neun Kapiteln systematisiert der Heilige Vater die auf der Basis der weltweiten Befragungen auf den Synoden intensiv geführten Diskussionen und verleiht ihnen seine ganz eigene Handschrift.

Er empfiehlt, den Familien und den in der Familienpastoral Tätigen „nicht, es hastig ganz durchzulesen“, sondern „es Abschnitt für Abschnitt geduldig zu vertiefen oder darin nach dem zu suchen, was sie in der jeweiligen konkreten Situation brauchen“. (AL Nr. 7) In der Tat spricht das Nachsynodale Dokument viele theologische, pastorale und spirituelle Fragestellungen aus dem Lebensbereich der christlichen Ehen und Familien an. Dabei wird von realistischen Situationen rund um den Globus ausgegangen, die sich sehr unterschiedlich darstellen können. „Das Ergebnis der Überlegungen der Synode ist nicht ein Stereotyp der Idealfamilie, sondern eine herausfordernde Collage aus vielen unterschiedlichen Wirklichkeiten voller Freuden, Dramen und Träume“, sagt Papst Franziskus zu Recht. In jedem Land ergeben sich andere Herausforderungen, doch es gibt keinen Grund zur Resignation: „Wir gehen nicht in die Falle, uns in Wehklagen der Selbstverteidigung zu verschleißen, anstatt eine missionarische Kreativität wachzurufen.“ (AL Nr. 57) 

In dem Schreiben vom 23. Januar 2017 „Einladung zu einer erneuerten Ehe- und Familienpastoral im Licht vom Amoris Laetitia“ haben sich die deutschen Bischöfe im Nachgang zum Päpstlichen Schreiben u. a. dazu verpflichtet, der Ehevorbereitung eine höhere Aufmerksamkeit zu widmen und ihr einen verbindlicheren Rahmen zu geben. Neben der Arbeit an solchen „Eckpunkten zur Ehevorbereitung“, deren Veröffentlichung für Anfang des nächsten Jahres vorgesehen ist, sollen auch die Familiensonntage der kommenden Jahre dazu dienen, Amoris Laetitia nach und nach zu erschließen. 

Jeweils zum Fest der Heiligen Familie (Sonntag der Weihnachtsoktav) wird ein familienpastorales Jahresmotto bekannt gegeben und die Diözesen, Gemeinden, Verbände und kirchlichen Einrichtungen werden eingeladen, sich mit eigenen Veranstaltungen und Initiativen zum Jahresthema einzubringen. Dies kann gegebenenfalls auch an anderen Tagen als dem Familiensonntag (Fest der Heiligen Familie) im Kirchenjahr geschehen. 

Mit dem diesjährigen Motto „Für immer zusammen – Auf dem Weg zur sakramentalen Ehe“ greifen wir die Thematik der Ehevorbereitung auf. Papst Franziskus weist hinsichtlich einer Vorbereitung auf die Ehe darauf hin: „Die komplexe gesellschaftliche Wirklichkeit und die Herausforderungen, mit denen sich die Familien heute auseinandersetzen müssen, erfordern einen größeren Einsatz der ganzen christlichen Gemeinde im Hinblick auf die Vorbereitung der Brautleute auf die Ehe.“ (AL Nr. 206) 

Schon lange gibt es in den (Erz-)Diözesen Angebote zur Ehevorbereitung, deren Formen und Inhalte sich den Herausforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft stellen müssen, da es ihr Anliegen ist, die Menschen in ihren jeweiligen Lebenssituationen abzuholen. Leider wird die kirchliche Ehelehre schon seit Ende der 60er-Jahre als sehr unterschiedlich zur gängigen Lebenspraxis wahrgenommen. Die in diesem Jahr sehr intensiv geführte Diskussion im Umfeld der Öffnung der staatlichen Ehe für gleichgeschlechtliche Paare hat gezeigt, dass unsere Auffassung einer sakramentalen Ehe von vielen nicht nachvollzogen wird. Es gestaltet sich als eine wichtige Aufgabe, das grundlegende christliche Verständnis von Ehe in der Ehevorbereitung zeitgemäß und nachvollziehbar zu vermitteln. Das Wissen darum, was die Kirche unter einer sakramentalen Ehe versteht, kann nicht mehr als selbstverständlich vorausgesetzt werden. 

Nach unserer Vorstellung ist das christliche Verständnis von Ehe und Familie bereits in der Schöpfungsordnung grundgelegt. Gott, der den Menschen aus Liebe ins Dasein gerufen hat, hat ihn gleichzeitig zur Liebe befähigt. Denn der Mensch ist ja geschaffen nach dem Bild und dem Gleichnis Gottes (Gen 1.27), der selbst Liebe ist (1 Joh 4,8.16). Im Schöpfungsbericht heißt es weiter: „Als Mann und Frau schuf er sie.“ (Gen 1.27). So ist auch die Geschlechterdifferenz Ausdruck des Willens Gottes. An die Liebe zwischen Mann und Frau hat Gott den Fortbestand der Menschheit gebunden. Diese ganz besondere Verbindung zweier Menschen gewinnt durch Christus eine neue Würde, da in ihm der Bund zwischen Mann und Frau zum Zeichen des unauflöslichen Bundes Christi mit seiner Kirche geworden ist. Die christliche Ehe ist Frucht des Glaubens an die unbedingte Liebe Gottes und wird dadurch zu einem besonderen Zeichen der Gott-Mensch-Verbindung, zu einem Sakrament, das sich die Brautleute – mit Assistenz eines Priesters oder Diakons – in einem freien Konsens selbst spenden. Es gilt, diese wesentlichen Inhalte eines christlichen Eheverständnisses, auch in heutiger Zeit jungen Menschen näher zu bringen. 

Dabei geht Ehevorbereitung durchaus mit der Zeit, wie das Beispiel einer neu entwickelten Hochzeits-App zeigt, mit der die Brautleute ab einem Jahr vor dem Termin der Trauung wertvolle Tipps zur Vorbereitung erhalten. Ehevorbereitung muss sich auch ganz konkreten Anforderungen stellen, etwa wenn einzelne Kirchen so stark als Orte für die Trauung nachgefragt werden, dass die Geistlichen der Pfarrgemeinde diesem Ansinnen nicht mehr so ohne Weiteres nachkommen können. Das Projekt „Meine Traukirche“ in Köln geht hier einen innovativen Weg.

Die vorliegende Arbeitshilfe zum Familiensonntag 2017 möchte Anregungen dazu geben, das Jahresmotto an einem Sonntag im Jahr aufzugreifen und sich mit der christlichen Ehe und den Angeboten der Ehevorbereitung auf Pfarreiebene, aber auch auf anderen Ebenen des Bistums auseinanderzusetzen. Sie enthält auch Gestaltungselemente für Gebet und Gottesdienst und viele nützliche, weiterführende Internetlinks auf die Webseiten der (Erz-) Diözesen und kirchliche Einrichtungen. Ich hoffe, dass die Arbeitshilfe zum Familiensonntag 2017 zu einem regen Gebrauch führt. 


Erzbischof Dr. Heiner Koch
Vorsitzender der Kommission
für Ehe und Familie
der Deutschen Bischofskonferenz